Nichts ist viel mehr, als gedacht. Denk mal drüber nach. Ist wirklich so, auch bei deinem Umzug nach Hamburg. Wie Minimalismus funktioniert und welche Gedankengänge hinter der augenscheinlich puristisch weißen, blitzblanken Fassade stecken, liest du jetzt.

Minimalismus. Klingt nach minimal. Dem Wenigsten. All seinen schönen Krimskrams aus dem Leben rauszuschmeißen. Stimmt und stimmt nicht. Denn du brauchst keine weißen Wände und leere Wohnung, um den Minimalisten anzugehören.

Eine Definition per se gibt es für den Minimalisten nicht. Das Ziel der Menschen, die sich diesem Aussortier-Konzept zugehörig fühlen, ist eigentlich einfach: Den Kopf freibekommen. Entleeren. Ballast loswerden. Dauerhaft. Durch äußere Veränderung soll eine Innerliche stattfinden. Sodass du aufhörst, deine Persönlichkeit und deine Geschichte über Optik, Look und Äußerlichkeiten zu definieren. Es gilt bewusste Entscheidungen zu treffen. Deine miesepetrige Stimmung kannst du nämlich leicht ändern, indem du die Atmosphäre deiner Zimmer entladest. Also: Mit weniger Zeugs vollstellst. Klingt dir noch nicht plausibel genug?

Jedes Teil, das wir sehen, muss unser Gehirn verarbeiten

Alle Dinge, die uns tagtäglich in unserer Wohnung in die Augen fallen – Tische, Bilder, Teppiche, Kissen, Kugelschreiber, Zeitungen, Klamotten­ – muss unser Hirn zuordnen. Automatisch werden Emotionen damit verbunden, wie: „Den Couchtisch hat mir Onkel Wilhelm zum Einzug geschenkt. Hässliches Teil.“ Oder: „Mist, den Zeitungsstapel habe ich immer noch nicht durchgelesen.“ Negativer Bullshit, oder? Unnötig und sinnbefreit. Warum solltest du dich damit abmühen? Weg mit den Gedanken – weg mit dem Ding. Viele denken, die miese Stimmung läge an der Umwelt. Dem Stress, der Arbeit. Dabei erfordert eben einfach alles, was wir sehen, Aufmerksamkeit in uns, ohne dass wir es bewusst merken. So fühlt sich der Kopf schneller voll an, als uns guttut.

Wie geht Minimalismus wirklich? Leicht zu realisierende Tipps

Sich zu verkleinern, soll Erleichterung bedeuten. Umgebe dich deswegen mit ausgesuchten Lieblingsteilen. Deine Bude ist deine Oase, ein Art Paradies, das dir Kraft gibt. Dein Ladegerät für deinen Geist, wenn dir die Energie schwindet.

Beginne den Tag ohne Smartphone

Waaaaasss?! Dein Ernst?! Das kann ich nicht! Ach, komm schon. Das ist echt leicht. Kaufe dir einen Wecker. Und lass das Handy außerhalb des Schlafbereiches liegen. Denn wenn du dieses ebenfalls als Alarm benutzt, sieht du morgens sofort die ganzen Nachrichten, die währen der letzten Stunden eingetrudelt sind. Du bist schneller am Mails checken, als dir lieb ist. Nope. Stopp. Das schmeißt den innerlichen Unruhemotor sofort an und deine Gedanken sind gleich bei der täglichen To-Do-Liste, anstatt im gemütlichen Bett.

Betätige also lieber einmal den Wecker und das war‘s. Der Morgen gehört dir, und nicht deinem Smartphone. Verweile noch kurz in deinem Bett, bevor du langsam aufstehst. Schaue am besten vor Arbeitsbeginn gar nicht auf das Telefon. Die anderen müssen sich mal eine Weile gedulden. Und sich daran gewöhnen, dass du nicht drei Stunden vor Arbeitsstart schon erreichbar bist. Wie das Wetter aussieht und sich die Temperaturen anfühlen, kannst du anstatt mit der App einfach am offenen Küchenfenster selbst erfühlen. So lernst du, dich selbst wieder mehr wahrzunehmen und deine Umwelt zu spüren. Auch das ist wichtiger Bestandteil des Minimalismus: Achtsamkeit üben und Bewusstsein aufbauen.

Stehe früher auf

Waaaaasss?! Dein Ernst?! Das kann ich nicht! Ach, komm schon. Das ist echt leicht. Die Phrase ließe sich wohl bei vielen Denkstrukturen der Askese anwenden.

Je später du aufstehst, besonders während der Werktage, desto härter bewertest du die Situation: „Fuck, ich habe getrödelt. So ein Stress. Ich muss mich beeilen. Ich Faulenzer.“ Und der Tag ist gelaufen. Wow, was für eine Gedankenkette! Stoppe sie, indem du deinen Wecker eine Stunde früher stellst und dann Tee oder Kaffee schlürfend deinen Tag beginnst. In Ruuuuuheeee. Ohne Handy. Ohne Zeitung. Ohne Nachrichten. Nur mit deinen Sinnen. Mache dafür eine Liste mit Dingen, die dir Entspannung bringen und für die du zum Beispiel abends keine Muße mehr hast.

Achtsamkeit ist Lebensqualität

Gehe mehr zu Fuß. Frühstücke. Schließlich läuft kein Uhrwerk ohne Öl. Frühstücke einfach einen Joghurt, wenn du morgens noch nichts essen kannst. Bringe deinem Körper bei, dass dies zur Selbstfürsorge gehört. Vermeide Musik auf dem Weg zur Arbeit. Kopfhörer weg. Hör auf, unnötigen Kram beim Bäcker zu kaufen. Auch keinen Kaffee to go, selbst wenn er in Mehrzweckbecher gefüllt wird. Warum? Finde den Sinn im Verzicht – das ist Minimalismus. Diesen Kaffee auf halber Strecke brauchst du nicht wirklich. Sei ehrlich: Das ist Gemütlichkeit und reine Routine. Die drei Euro könntest du sparen. Freue dich auf deine Koffeinspritze am Arbeitsplatz.

Bestelle Werbung und Newsletter ab

Falls dir noch Kataloge in den Briefkasten flattern: Kündige sie. Sonst lässt du dich nur hinreißen, dein Hirn mit Infos zu füttern, für die du eigentlich eh keine Verwendung hast. Außerdem ist Werbung echte Papierverschwendung und diesen Extramüll darfst du später entsorgen. Ähnliches gilt für Newsletter: Sie fressen deine Zeit und deinen Speicherplatz. Du liest sie, weil du denkst, du würdest etwas verpassen. Schwachsinn. Im Minimalismus würdigst du dich selbst. Du sagst dir, was wichtig ist und nicht der Newsletter. In jeder Mail gibt es einen Button zum Abbestellen. Markiere die Mailadresse zusätzlich für den Spam-Ordner. Diesen leerst du dann einmal in der Woche, ohne irgendeine Nachricht zu öffnen.

Miste dein Bad aus

Bei dir häufen sich Seifen, Shampoos und Cremes? Welche davon hast du seit über einem Monat noch nicht benutzt? Die wirfst du bitte gefälligst weg. Oder spendest sie an Bedürftige und Hilfsvereine. Auch die, die dir Tante Hilda aus dem Spanienurlaub von vor fünf Jahren mitgebracht hat. Jede Person deines Haushaltes bekommt eine kleine Box und diese ist ab jetzt ihr verfügbarer Platz im Badezimmerregal. Auf allen Oberflächen hältst du so Ordnung.

Trenne dich von überflüssiger Dekoration

Freunde, Verwandte – jeder schenkt mal Dinge, die man eigentlich absolut nicht gebrauchen kann. Verabschiede dich von Teilen, die nicht zu dir und deinem Lifestyle passen. Behalte die Sachen, die dir ein positives Gefühl geben. Und von denen du weißt, wer sie dir wann und wofür gegeben hat. Halte dir vor Augen, dass sich jeder von uns verändert und nicht alles ein Leben lang zu dir gehören muss.

So geht Minimalismus im Kleinen. Natürlich ist das Ganze auch auf deine Freizeit übertragbar. Zum Beispiel auf dein Konsum- und Shoppingverhalten. Fokus des Konzeptes ist, dass du dich entlasten willst und gleichzeitig wohler fühlen möchtest. Sei bestimmt, aber nicht zwanghaft. Nimm dir Geduld und Zeit, die Dinge umzusetzen und du wirst sehen, dass Nichts viel mehr ist, als du dachtest.