Haaach, wie schön! Mit dem Mietvertrag in der Tasche schlenderst du selig nach deinem Umzug durch deine neuen vier Wände. Altbau, Stuck, hell und freundlich. Oder ist’s eher Souterrain, Raufasertapete, dunkel und unbehaglich? Macht alles nichts! Mit der richtigen Wandfarbe lässt sich viel Atmosphäre in jede Art von Wohnung zaubern. Wir haben die Alternativen zu konventioneller Baumarkt-Wandfarbe unter die Lupe genommen, unsere Öko-Checkliste rausgeholt und nachgeschaut: Welche Möglichkeiten der umweltbewussten Wandfarbe bieten sich uns?

Zu allererst mal die Frage: Warum zu Naturprodukten wechseln? Schadstoffe und giftige Dämpfe sind die Antwort. Kopfschmerzen, Allergien und Atemprobleme die Folgen von chemischer Farbe. Der normale Pott beinhaltet Konservierungsstoffe. Zum Beispiel das in Krebsverdacht stehende Formaldehyd oder Isothiazolinon. Gesünder sind da natürliche Wandfarben oder zumindest ausgewählte Dispersionsfarben. Sie sind frei von Chemie, lassen die Wand atmen und beugen Schimmel vor.

Auch Dispersionsfarben können öko sein

Dispersionsdings – was? Sie ist die meistverwendete Farbe für Innenräume und enthält sehr wenig bis gar keine Schadstoffe. Zu finden in jedem Baumarktsortiment eignet sich Dispersionsfarbe wunderbar für schnelles, effektives Streichen: Innerhalb von vier Stunden getrocknet, geruchsarm und wasserbasiert. Allerdings enthält die Kunstharz-Variante manchmal Konservierungsstoffe und Lösungsmittel. Dagegen sind auch in der Naturharz-Ausführung konservierende Mittel versteckt, die starke allergische Reaktionen nach sich ziehen können. Achtet beim Lesen der Inhaltsstoffe auf Methylisothiazolinon und Benzisothiazolinon – absolute Problemstoffe! Am besten vermeiden.

Es gibt Hoffnung: Kreidefarbe

Atmungsaktiv, geruchsarm, schnelltrocknend, abwaschbar, schimmelhemmend und natürliche ohne Zusatzstoffe. Geeignet für Untergründe, wie Putz, Gips und Papiertapete. Kreidefarbe ist der Shit beim ökologischen Streichen. Es gibt sie in Pulverform beim gut sortierten Baumarkt und im Fachhandel zu kaufen. Zuhause muss es mit Wasser angerührt werden. Fertig! Für alle No Plastic-Überlebenskünstler: Meistens ist sie plastikfrei verpackt, nämlich in Papiersäcken. Puh! Immerhin. Kreidefarbe favorisieren vor allem Vintage-Bewunderer, da sie im aufgetragenen Zustand eine wunderbare Mattierung aufweist und diese Pastellfarben besonders steht.

Lehmfarbe ist ein echtes Naturprodukt

Den radikalen Extrem-Bio-Hippies legen wir Lehmfarbe ans Grüne Herz. Hergestellt aus Tonmehl, Pflanzenstärke, Sand, Zellulose und pflanzlichem Eiweiß ist sie rein biologisch. Und gesundheitlich absolut unbedenklich. Ist dieses Gemisch auf die Wand aufgetragen, entfaltet die Farbe ihre volle Bandbreite an Charakteristika: Atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und geruchsabsorbierend. Sie eignet sich hervorragend für feuchte Räume, zum Beispiel dem Badezimmer.

Allerdings ist anzumerken: Da Lehmfarbe keine Stoffe für zusätzliche Deckkraft beigemischt werden, braucht es mehrere Streichgänge für ein gleichmäßiges Farbergebnis. Auch mag eine individuelle Struktur entstehen, da sie nun mal ein Naturprodukt ist. Kleine Sandkörnchen sind normal und kein Qualitätsmangel. Gesundheitsbedachte Menschen wählen Lehmfarbe genau deswegen: Sie schenkt Charme, ein natürliches Raumklima und changiert je nach Lichteinfall in anderen Farbfacetten.

Leimfarbe: Klebt nicht, hat‘s aber trotzdem in sich

Stuck-Nerds aufgepasst: Leimfarbe ist ideal für die Arbeit mit Deckenfries und wird heute noch gerne zur Restauration genutzt. Denn sie ist hochdeckend, mattglänzend, wischfest, geruchsneutral, konservierungsmittelfrei und wasserlöslich – perfekter Streichpartner für Profiarbeiten. Dieses Wunderfarbmittel besteht aus Kreide, Marmormehl, Porzellanerde und Zellulose. Anwendbar ist sie auf fast gängigen allen Untergründen, darunter Tapete, Raufaser, Gips, Stein und Beton. Auch festsitzende Dispersionsfarbe kann mit ihr überstrichen werden.

Richtiges Auftragen und Streichen

Allen ökologischen Alternativen zur konventionellen Wandfarbe sind ein paar Eigenschaften gemein, die als Laie beachtet werden sollten:

  1. Da Kreide-, Lehm- und Leimfarbe Naturprodukte sind, fehlt ihnen ein chemisch erzeugtes, beigemischtes Verlaufsmittel und zusätzlicher Füllstoff. Diese helfen, die Farbe gleichmäßig streichen zu können. Deswegen sind meistens mehrere Streichgänge nötig.
  2. Mit einer Grundierung haftet die Farbe grundsätzlich besser. Ob diese nötig ist, kann mit drei Tests ganz einfach festgestellt werden: Zum Erkennen von porösen, sandigen Flächen einen Streifen Klebeband auf die unbehandelte Wand kleben und abziehen. Um die Saugfähigkeit der Wand festzustellen, mit einem feuchten Schwamm auf die Stelle tupfen. Für eventuell staubige, kreidende Flächen einmal mit der Hand oder einem Lappen darüberwischen, um zu sehen, wieviel Körnchen haften bleiben.
  3. Immer besser für die Farbverteilung anstatt einer Rolle eignet sich die Streichbürste. Denn die Naturfarben sind gröber und schwerer in ihrer Konsistenz und weisen ungleichmäßige Strukturen auf.

Diese natürlichen Ersatzmöglichkeiten bedeuten erstmal ein Umdenken und Umgewöhnen im Arbeitsprozess – gar keine Frage. Dafür tut ihr eurem Auge, der Raumatmosphäre, dem Wohnklima und eurer Seele allerdings eine Menge Gutes. Bereit? Auf die Bürsten, fertig und losgestrichen!

Mehr informationen zu dem Tehma Nachhaltigkeit rund um deine vier Wände findest du unter: www.mein-umzug.hamburg/news